Zum Tode von Willi Poth

Ein Urgestein der Araberszene und Ehrenmitglied der PSE hat uns für immer verlassen. Willi Poth starb am vergangenen Freitag, nachdem er im Dezember seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hatte. Unser Mitgefühl gebührt seiner Familie mit Dank für seinen Einsatz in der SE-Zucht in Deutschland. Noch vor Gründung der PSE organisierte er in Wiesbaden den ersten Egyptian Event Europe ganz ohne Wettkampf und Richten mit vielen tausend Besuchern und übernahm anschließend den Posten des Vizepräsidenten, als die PSE 1987 gegründet wurde.

Als Züchter mit zunächst Poth-Arabians dann Classic Arabians war er weltweit bekannt ebenso wie als internationaler Richter. Vielen jungen Züchtern hat er Pferde vermittelt und Rat gegeben. Wenn auch nicht immer unumstritten hat er eine klare Meinung vertreten und mit viel Sachverstand gehandelt, indem er beispielsweise Alidaar nach Europa holte. Nach 20 Jahren in Südfrankreich, kehrte er nach Deutschland zurück nach Hohwies bei Hettingen in Baden-Württemberg und übergab seiner Tochter Susi das Gestüt. Eine Würdigung seiner züchterischen Erfolge wird Susanne Bösche an dieser Stelle ergänzen.

Bettina von Kameke PSE Presidentin

Willi Poth (21.12.1938-12.4.2019)

 Immer ein Auge für Qualität

Über 46 Jahre lang züchteten Willi Poth und seine Frau Ursula arabische Pferde, ihre Tochter Susanne trat in ihre Fußstapfen. Vollblutaraber wie Ibn Galal, Alidaar, Mohssen, AK Nawaal, Monisa Halima sind untrennbar mit Willi Poth verbunden. Dank seiner Visionen fand er hervorragende rein ägyptisch gezogene Pferde, die die Zucht in Europa beeinflussten. Am 12.April, vier Monate nach seinem 80.Geburtstag, starb Willi Poth.

Nicht nur die Schönheit, Ausdauer und das freundliche Wesen des arabischen Vollbluts begeisterte Willi Poth, sondern ebenso die reiche Historie Ägyptens, die Legenden und Mythen der Beduinen. Mit einem untrüglichen Auge für Qualität schaffte es Willi Poth immer wieder, besondere rein ägyptische Vollblutaraber, wahre Publikumsmagneten, auf sein Gestüt zu holen. Den Anfang machte Ibn Galal (x Mohga), später folgten Hengste wie Mehanna (Galal x Mouna), Sherif Pascha (Ansata Abbas Pasha x Sabah), Mohssen (Ansata Ibn Halima x Bint Mouna), Alidaar (Shaikh Al Badi x Bint Magidaa) und Lohim (Ansata Ibn Halima x Lohelia). Von seinem erlesenen Geschmack konnten sich Besucher des Gestüts Classic Egyptian Arabians in Südfrankreich überzeugen. Nach 20 Jahren im schönen Südfrankreich, zog es 2010 Willi und Ursula Poth zurück in die deutsche Heimat, auf das Gut Hohwieshof in Hettingen, Baden-Württemberg.

Dem ägyptischen Vollblutaraber blieben sie treu. Edle Araber mit dem Namenspräfix „Classic“ überzeugen international, zum Beispiel der Prämienhengste Classic Rayan (Alidaar x AK Raiyeh) oder Classic Mansour (Alidaar x Monisa Halima). Poths Pferde faszinierten Züchter weltweit ebenso wie in Deutschland. Rosemarie Kolsters Gestüt basiert auf den Poth-Importen Monisa Halima (Ansata Ibn Halima x AK Monisa Moniet) und AK Nawaal (The Egyptian Prince x Dahman Shahwaniah). Sarameena (FA Ibn Sar x Flabys Joffa), Mutter des Multi-Champions F Shamaal, wurde zur Gründerstute für Hansjürgen und Inge Friedmann.

Ob als internationaler Schaurichter oder –organisator, Willi Poth engagierte sich in vielen Bereichen der Araberszene. Seit 1986 ECAHO-Richter wollte er Pferde mit arabischer Ausstrahlung auf Schauen sehen. „Kein Typ, kein Vollblutaraber!“ so seine Maxime.

Er organisierte den in den 80er Jahren die ersten Egyptian Events in Europa, von denen Besucher noch heute schwärmen. Anlässlich des 30.Jubiläums der Pyramid Society Europe, dessen Gründungsmitglied Willi Poth war, ließ er es sich nicht nehmen, zum Egyptian Event Europe zu fahren und teilte seine Erinnerungen an die Anfänge mit anderen.

Nach den ersten Egyptian Events Europe folgten großartige, offene Vollblutaraberschauen auf der Iffezheimer Rennbahn bei Baden-Baden zu Beginn der 90er Jahre, die neue Maßstäbe setzten.

Selbst sein hohes Alter war für Willi Poth kein Grund, sich zur Ruhe zu setzen. Zusammen mit seiner Frau Ursula reiste er unermüdlich um die Welt, sein Ratschlag wurde gern gehört. Im vergangenen Jahr besuchte er noch Ägypterzüchter in Marokko; er ruhte nicht, um auf Seminaren und in Vorträgen seine Ideale und sein Wissen weiterzugeben.

In der jüngeren Vergangenheit haben bekannte Ägypterzüchter teils nicht-ägpytische Hengste in ihrer Zucht eingesetzt. Willi Poth blieb dem ägyptischen Pferd dagegen treu. „Seine wahre Leidenschaft galt den reinen Ägyptern“, sagte seine Tochter Susanne. „Mein Vater bedauerte so sehr, dass für manche Züchter anscheinend Pokale wichtiger sind als Pedigrees. Wertvolle Linien werden nicht mehr gepflegt.“ Schon vor mehr als zehn Jahren bemängelte Willi Poth, dass Wissen um die Abstammungen nicht mehr geschätzt wird: „Viele Züchter kennen die Abstammung ihrer Pferde nicht mehr, können auf Nachfrage vielleicht noch die Eltern nennen. Doch welches Erbgut, welches Potenzial sich dahinter verbirgt, das wissen sie nicht mehr.“

Susanne Bösche

 

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